1968 – 2008
40 JOER
SOS KANNERDUERF MIERSCH
 
Deutsch | Français
   
/ Einrichtungen  »  Schneider Haff

Schneider Haff, therapeutischer Bauernhof  (9, rue de Syren; L-5870 Alzingen)

 

 

 

Lebenshilfe und Tierschutz

 

Frau Mathilde Schneider-Haag vererbte nach ihrem Tode im Jahre 2000 dem SOS Kinderdorf in Mersch eine Bauernhof-Anlage in Alzingen mit dem Ziel eine Einrichtung für sozial benachteiligte Menschen zu schaffen.

 

Am 13. Oktober 2008 hat der Schneider Haff seine Türen geöffnet mit einem Angebot, für 13 junge Menschen (8 in einer Wohngruppe und 5 im betreuten Wohnen), die aufgrund schwerer Lebenskrisen  Störungen entwickelt haben und somit individuelle Hilfestellungen in der Bewältigung ihrer Probleme benötigen.

 

Mit Hilfe konkreter Mensch-Tier Interaktionen (tiergestützte Aktivitäten, Pädagogik und Therapie) und weiterer pädagogischer, sowie therapeutischer Methoden soll das Ziel des Aufenthaltes

* die Stabilisierung der betroffenen Jugendlichen,

* sowie die Rückführung zu Angehörigen,

* oder in eine weniger intensive pädagogische Anschlussmaßnahme

* oder Verselbständigung sein.

 

Der Personenkreis

 

Aufgenommen werden 13 bis 16 jährige Jugendliche, die in Folge schwerer Lebenskrisen sozio-emotionale Störungen entwickelt haben und somit einen spezifischen Betreuungsbedarf fordern. Ein großer Teil der Bewohner wird aus bestehenden Heimstrukturen kommen, da diese aufgrund der vorhandenen Rahmenbedingungen dem personalintensiven und psycho-sozialen Handlungsbedarf eines „traumatisierten“ Jugendlichen nicht gerecht werden können. Bisher wurden die Betroffenen in spezialisierte Einrichtungen ins Ausland orientiert.

Kinder, die in Heimstrukturen leben haben oft etwas gemeinsam:

Sie sind erschüttert in ihrem Vertrauen zu den Menschen und dem zur Folge auch in sich selbst. Frühe leidvolle und traumatische Erfahrungen (z.B. körperliche und psychische Gewalt, sexueller Missbrauch, Verwahrlosung, häufig wechselnde Bezugspersonen…) haben die Kinder in ihrer Entwicklung gestört.  So kommt es zu einer Vielzahl von Fehlinterpretationen in zwischenmenschlichen Beziehungen. Gewalt, Wut, Angst sind oftmals eine Antwort der Kinder auf ihr inneres Leid. Sie erschweren das Zusammenleben und eine gesunde Entwicklung.

 

Typische Symptome können sein:

*Beziehungs/Bindungsprobleme    *Re-Inszenierung alter traumatischer Situationen 

* Schlafstörungen durch Ängste, Alpträume   *Enuresis/Kopresis    *Ängste, Panikattacken

*Essstörungen   *Störungen der Körperwahrnehmung   *Gewaltausbrüche, Wut, Reizbarkeit

*Selbstverletzungen   *Extremes Trebegängertum   *Depression   *Gefahrensuche   *Tics

*Suizidialität   *Extreme Selbstentwertung/Selbsthass   *Dissoziales  Verhalten   * Stottern

*Lernschwierigkeiten   ……..

 

 

Die Aufnahme – der Aufenthalt

 

Voraussetzung zur Aufnahme ist ein psychiatrisches Gutachten, in Folge einer stationären oder ambulanten kinder- und jugendpsychiatrischen Behandlung/Therapie, mit einer konkreten Bedarfsbeschreibung des Betroffenen. In der Regel soll der Jugendliche den Erstkontakt herstellen und die Aufnahme freiwillig beantragen.

Der endgültigen Aufnahme geht eine Probezeit voraus, während der geklärt wird, ob die Einrichtung der Problematik des Jugendlichen mit ihrer tiergestützten therapeutischen Ausrichtung gerecht werden kann.

Nach der Probezeit leben die Jugendlichen während 1 bis maximal 2 Jahren auf dem Schneider Haff.

Im Anschluss an die Zeit in der therapeutischen Gruppe, besteht die Möglichkeit im angrenzenden Wohnhaus in einer betreuten Wohnung zu leben und von dort aus den Übergang in die Selbständigkeit oder in die Familie zu gestalten.

 

Ausschlusskriterien zur Aufnahme:

- bekannte tierquälerische Aktivitäten, Allergien auf Tierhaare

- akute Drogenabhängigkeit

- krankhaftes Versagen  durch einen psychopathologischen Befund (z. B Fehlen von Empathie aufgrund hirnorganischer Verletzungen)

 

 

Die Mitarbeiter

 

Ein polyvalentes Team von 7 Vollzeit-Mitarbeitern (mögliche Ausbildungen in Sozial-Pädagogik, Pädagogik, Psychologie, Sozialarbeit, Psychiatrie…, therapeutische Zusatzausbildungen),  geschult im Umgang mit Tieren und deren Einsatz in Pädagogik und Therapie, sorgen für die Umsetzung der persönlichen Ziele  der Jugendlichen im Alltag.

Sie werden unterstützt durch einen technischen Mitarbeiter (Vollzeit) für den Bereich der Tierpflege und der  Instandhaltung der Hofanlage.

Eine delegierte Lehrkraft  (Lycée Technique) gewährleistet stundenweise die mögliche Beschulung vor Ort.

Mehrere Kinder- und Jugendpsychiater begleiten auf Honorarbasis die betroffenen Jugendlichen und bieten Beratung und Supervision für die Mitarbeiter.

Ebenso steht ein Tierarzt auf Honorarbasis zur Seite.

 

 

Die Tiere und ihre Bedeutung

 

Die positive Wirkung der Mensch-Tierbeziehung ist durch eine Vielzahl von wissenschaftlichen Studien belegt.

Seit 1999 nutzt das SOS Kinderdorf in Mersch die Erkenntnisse der tiergestützten Pädagogik und Therapie in der Heilung vergangener seelischer Verletzungen bei Kindern und Jugendlichen.

Die nicht sprachgebundene Kommunikation mit dem Tier verbindet den Menschen direkt mit seinen lebenswichtigen Gefühlen.

So haben Tiere einen anderen Einfluss auf die Persönlichkeit eines Menschen als Menschen es haben.

 

Der Schneider Haff ist neben seiner therapeutischen Ausrichtung für junge Menschen auch ein kontrolliertes Tierschutzprojekt für in Not geratene und pflegebedürftige Tiere. Die Sorge und Pflege der Tiere obliegt dem Personal und den jugendlichen Bewohnern. Die Strukturierung des Tagesablaufes orientiert sich auch an den Bedürfnissen der Tiere.

Auf dem „Gnadenhof“ können eine kleine Anzahl von Kleintieren, wie Meerschweinchen, Kaninchen, Hühner…, sowie Schafe, Ziegen, Schweine,…bei Bedarf ein bleibendes und  artgerechtes Zuhause finden.

Den Tieren stehen 9 Einzelställe, jeweils mit Auslauf (alle flexibel zu vergrößern), ein gemeinsamer Sandplatz und Wiese zur Verfügung. Kleintiere leben in einem gesicherten Freigehege mit Stall.

Katzen können als Freigänger mit in die Wohngruppe integriert werden.

Hunde wohnen nicht permanent auf dem Schneider Haff. Sie kommen nur gut ausgebildet (dokumentiert) und in Begleitung ihrer Bezugsperson (Mitarbeiter) zum Einsatz in die Wohngruppe.

 

 

Der besondere therapeutische Wert für die Jugendlichen

 

Viele Tierbiografien gleichen denen der Jugendlichen und laden sie zu einer Identifikation mit dem bedürftigen Wesen ein.

Die Schicksale der Tiere können die Jugendlichen in ihrer Emotionalität berühren, Empathie entsteht und der therapeutische Prozess kann hier ansetzen.

Die Sorge um die Tiere aktiviert die Sorge um sich selbst.

 

Um Verhalten zu ändern, muss ich mich erst einmal selbst erkennen und annehmen lernen.

Durch die starke emotionale Einbindung in die Lebensläufe der Tiere kann der Betroffene verdrängte, dem eigenen bewussten Erleben nicht zugängliche Gefühle (wie emotional nicht Angenommensein oder andere Traumatisierungen) bei den Tieren wieder finden und möglicherweise „lang verschlossene Türen“ öffnen. Es ist möglich, dass belastende Verhaltensweisen zur Stabilisierung der eigenen Person entwickelt wurden um schmerzende Gefühle nicht an die Oberfläche kommen zu lassen. Um die Symptome überflüssig werden zu lassen, brauchen die dahinter liegenden Gefühle die Erlaubnis nach vorne zu treten.

Für den Jugendlichen wird es offensichtlich, dass die in Not geratenen Tiere auf die Pflege von Menschen  angewiesen sind.  Mitgefühl (Empathie) wird angeregt. Empathie ist einer der stärksten Gegenspieler der Gewalt. Es gibt ein Wesen, das bedürftiger ist als er selbst.  Aus einem so ausgelösten „Fürsorgeinstinkt“ heraus kann er  neue Verhaltensmodelle aktivieren, alte korrigieren,  Selbstkontrolle üben.

Schnittpunkte zum eigenen Leben ergeben sich und können modellhaft erarbeitet werden.

Die Krankheit oder der Tod eines geliebten Tieres kann im günstigsten Fall offen betrauert werden, vielleicht lösen sich Blockaden und die Trauer um das eigene Schicksal wird möglich.

 

Aus dieser Fürsorge heraus entstehen tiefe Beziehungen, die dem eigenen Selbst mehr Stärke, Bewusstsein und Existenzberechtigung geben.  Die Beziehung zum Tier bietet die Möglichkeit zur emotionalen Nachreifung.

Es werden Situationen geschaffen, in denen die Betroffenen selbst Hilfestellung geben können, anstatt wie gewöhnlich Hilfsempfänger zu sein.  Sie werden gebraucht, haben einen Platz im Leben und gewinnen an Ansehen in der Gesellschaft.

 

Im Mittelpunkt stehen hier die Stärken der Jugendlichen, und nicht die Probleme.

Sich um schwächere Wesen zu kümmern, sie zu retten, lässt Ehre entstehen und Anerkennung durch andere.  Ihr Selbstbild kann sich dadurch positiv verändern.

 

Die Tiere fungieren zudem als Lehrer für den Umgang mit Lebenskrisen.  Für viele Tiere war Freiheit und Lebensfreude vor der Aufnahme längst überfällig.  Bei den entsprechenden Lebensbedingungen können die Tiere beispielhaft wieder aktiv und verzeihlich ihren Mitgeschöpfen begegnen.

Sie machen den Jugendlichen klar, dass sich die Bedürfnisse nach Liebe, Aufmerksamkeit und Fürsorglichkeit ein Stück weit stillen lassen, wenn es gelingt, selbst fürsorglich zu sein.

 

Die nicht sprachgebundene Kommunikation mit dem Tier verbindet den Menschen direkt mit seinen lebenswichtigen Gefühlen. So haben Tiere einen anderen Einfluss auf die Persönlichkeit eines Menschen.

Die emotionale Unterstützung von Tieren ist sehr groß:

Menschen können durch die Präsenz und den Umgang mit Tieren entlastende Beziehungserfahrungen machen

 

Da Tiere unabhängig von gesellschaftlichen Wertvorstellungen und Normen sich den Menschen zuwenden (sie werten nicht nach Aussehen, Bildung, Vermögen, Alter, Herkunft…), vermitteln sie uneingeschränkte Akzeptanz.  Die Beziehung ist unbelastet von Ambivalenz.  Die Erfahrung von Angenommensein kann den Jugendlichen aus ihrem Teufelskreis heraushelfen.

Hier spielen Worte kaum eine Rolle.  Tiere kommunizieren analog.  Da sie überwiegend auf die non-verbalen Signale eines Menschen reagieren und darin die eigentliche Verfassung eines Menschen zu erfassen suchen, spiegeln sie direkt und prompt den wahren und aktuellen Zustand des Menschen wieder.  Verstellen, und so-tun-als-ob, wie es allzu oft als Überlebenstechnik entwickelt wurde, findet hier keinen Erfolg.

Durch die ehrliche Rückmeldung der Tiere kommt es zu einer Auseinandersetzung und Überprüfung des eigenen Verhaltens.  Grenzen und Möglichkeiten können ausprobiert werden, wichtige Anknüpfungspunkte zur Entwicklung neuer Verhaltensweisen und Lebenseinstellungen.

 

Tiere zeigen ein den menschlichen Emotionen entsprechendes Verhalten, und sind somit ein gut einzuschätzender und sicherer Partner, der neben Vertrauen und Trost, beim Aufbau sozialer und emotionaler Kompetenzen unterstützend wirken kann.

Die Kinder/Jugendlichen können sich durch konkrete Mensch-Tier-Interaktionen in vielen Bereichen gewinnbringend entwickeln.

Dadurch wird ein Teufelskreis durchbrochen, und die Chance gewahrt, als Erwachsener ein positives Mitglied der Gesellschaft zu sein.

Im Besonderen können die Kinder/Jugendlichen:

 

* Empathie für sich erfahren und selbst entwickeln

“Empathie gegenüber Tieren steht nachweisbar in Zusammenhang mit Empathie gegenüber Menschen“ (Ascione/Weber 1996)Empathie ist einer der stärksten Gegenspieler der Gewalt. Mitgefühl ist Grundlage jeder Fürsorge

 

* vertrauensvolle Beziehungen/Bindungen aufbauen lernen (vorausgesetzt das Tier verfügt über ein komplexeres Nervensystem, ausgerüstet mit einem Teil der Mechanismen des Gedächtnisses, zum Beispiel ein Vogel oder ein Säugetier, keine Schnecke, keine Fische (CYRULNIK/LOU MATIGNON/FOUGEA, 2003)).

* durch das wachsende Vertrauen zu einem Tier die Beziehungsfähigkeit zu Menschen leichter entwickeln, da weniger langwierig am Abbau von Abwehrmechanismen gearbeitet werden muss.

 

* erleben, ohne Bedingungen und vorbehaltlos akzeptiert und angenommen zu werden, während Menschen einander beurteilen und kritisieren.

 

* leichter Dinge und Gefühle, die belastend sind, vielleicht mit Scham und   Schuldgefühlen in Verbindung stehen, auszusprechen als bei einem Termin im Büro. Die Tiere haben eine beruhigende und tröstende Ausstrahlung.  Es entwickeln sich spontan Gespräche über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.  Tiere als Eisbrecher, Sprechanlaß oder Dialogpartner.

 

* emotionale Blockaden leichter auflösen, da das Tier im emotionalen Kontakt meist angstfrei wahrgenommen wird (besonders beim Aufziehen von nicht angenommenen Jungtieren)%

 

* erleben, dass die Anwesenheit eines Tieres die sozialen, zwischenmenschlichen Kontakte initiiert und vergrößert (MUGFORD/M`COMISKY, 1975).  Die Anziehungskraft der Tiere steigert die Beliebtheit der eigenen Person.  Es ist zudem einfacher über ein Tier zu sprechen, als über sich selbst.  Die Kontaktfähigkeit wird gefördert.  Reduzierung von sozialer Isolierung und Einsamkeit kann geschehen.

 

* einen positiv besetzten Körperkontakt erleben.  Berühren können ist stetiges Ausdrucksmittel unserer Emotionalität.  Der Jugendliche kann seine Empfindungn körperlich ausdrücken, so wird ihm seine eigene Emotionalität zugänglicher: er erlebt sie.  Er findet im Tier einen Partner, an den er sich anschmiegen kann, was beim Personal weniger möglich ist.  Manche Tiere erlauben Körperkontakt und suchen ihn auf.  Durch die taktilen Reize über unsere Haut werden körpereigene Hormone stimuliert, die unter anderem unser Immunsystem stärken.

 

* Solidarität und Zusammengehörigkeit erleben durch das Engagement für eine gemeinsame Sache (die Fürsorge für die Tiere).  Kameradschaft leben lernen.

 

* Wertschätzung gegenüber Tier und Mensch erleben, vor allem durch das Vorbild der Mitarbeiter.

 

* Pädagogisches Personal nicht nur im sachlichen Erziehungsauftrag erleben, sondern in der gemeinsamen Verantwortung für die Tiere als „Partner“ in einem anderen sozialen Bezug kennen lernen.  Die Anwesenheit eines Tieres oder der Umgang mit einem Tier lässt Menschen oft anders reagieren als im Miteinander mit anderen Personen.  Sachlichkeit weicht Emotionalität und abwartendes Verhalten spontanen Reaktionen sowie Freude und Aufgeschlossenheit.

 

* eine positive Anerkennung und Bewunderung durch die Gesellschaft erfahren.  Sie leisten einen sozialen Dienst, der mit Achtung verbunden ist, das stärkt das Selbstvertrauen und die Stigmatisierung als „Heim- und Sorgenkind“ rückt in den Hintergrund.  Ein Gefühl der eigenen Wertschätzung kann entstehen.  Die Rolle in der leiblichen Familie kann sich positiv verändern.

    

* den Aufbau von Selbstwertgefühl erleben.  Er hat eine Aufgabe, eine Verantwortung und wird gebraucht.  Das Tier belohnt ihn mit Zuwendung und Begeisterung.  Er ist der Versorger und nicht der „Versorgte“.  Therapiemüde Jugendliche sind wesentlich motivierter, da sie weniger „offensichtlich hilfsbedürftig“ erscheinen.

 

* ihrem Leben eine neue „Sinnhaftigkeit“ geben, der Lebenswille kann dadurch gestärkt werden.  Sie haben eine positive Beschäftigung in der Fürsorge von bedürftigen Tieren.  Das Erleben von Bewältigungskompetenz, die Erfahrung von gesunder Autorität und Macht führt zu einem positiven Selbstbild.

 

* Fürsorglichkeit und Geborgenheit geben.  Die Tiere machen klar, dass sich die eigenen Bedürfnisse nach Liebe, Zuwendung und Fürsorglichkeit ein Stück weit stillen lassen, wenn es gelingt selbst fürsorglich zu sein.

 

* rücksichtsvolles Verhalten üben, Distanz wahren und Ansprüche respektieren, sowie sich fair durchzusetzen lernen.  Besonders in der Arbeit mit Herden, durch das Kennen der Rangordnung und den damit verbundenen Verhaltensweisen, lernt der Jugendliche sich in ein soziales Gefüge einzuordnen, in dem er die Regeln einhält und zum guten Funktionieren der Gemeinschaft beiträgt.

 

* Verbindlichkeit und Einhalten von Vereinbarungen üben.

 

* Natur und ihre Gesetzmäßigkeiten erleben, Zusammenhänge erkennen im ökologischen Kreislauf.

 

* lernen, Ängste und Grenzen einzugestehen und zu überwinden.  Durch mehr Selbstsicherheit Reduktion von Angst.

 

* sich mit existentiellen Themen wie Geburt, Sinn des Lebens, Krankheit, Altern und Tod auseinandersetzen.  Die Realitätsorientierung wird gefördert.

 

* die Parallelen zur eigenen Biografie herstellen und bearbeiten.  Identifikationsmöglichkeit ist durch heimatlose Tiere besonders gegeben.

 

* zum Wohle der Beziehung kooperatives Verhalten entwickeln (Regelakzeptanz).  Das Tier als Verstärker, die positive Zuwendung des Tieres als Motivation, eigenes Verhalten zu verändern, dem Tier zuliebe.

 

* altruistisches Verhalten entwickeln: das Zurückstellen eigener Vorteile zugunsten derjenigen eines Tieres.  Somit erweitert sich auch die eigene Frustrationstoleranz.  Altruismus ist nach WOLFGANG SEIDEL (2004) die Voraussetzung für Verantwortung und Schuldfähigkeit.

 

* Selbstkontrolle üben.

 

 

* einen regelmäßigen und strukturierten Tagesablauf erleben, das schafft Verlässlichkeit und Halt.

 

* eine prompte und ehrliche Spiegelung ihres eigenen Verhaltens bekommen.  Durch das unverfälschte Feedback der Tiere lernen sie zu reflektieren und neue Verhaltensmodelle zu entwickeln.  Tiere sind authentisch und bleiben  im direkten Erleben des Jugendlichen.

 

* eine entlastende Erfahrung in einer Beziehung durch die analoge Form der Verständigung machen.  Hier haben unausgesprochene Vorwürfe, Verstellung oder Spott keinen Platz.  Tiere verbergen keine Missempfindungen oder Freude.  Die Jugendlichen lernen direkte und eindeutige Signale zu erkennen und zu benutzen.  Zudem führen Körperkontakt und Körpersprache zu tieferen Kommunikations-Ebenen, als Worte es vermögen.  Diese alternative Bewußtseinsebene macht Dialoge möglich und setzt Prozesse in Gang ohne die menschliche Sprache.

 

* Lebensfreude, Humor und Optimismus erleben.  Tiere reizen zum Lachen und Spielen und regen dadurch die Ausschüttung von Endorphinen im menschlichen Gehirn an. Diese Endorphine helfen dem Menschen glücklicher zu sein, verringern das Schmerzempfinden und bauen Stress ab, sagt hierzu der amerikanische Mediziner McCulloch.

 

* auf jeden Fall eine Förderung seiner emotionalen Intelligenz (EQ)erleben.  Intuitive Fähigkeiten, das Erkennen von Gefühlen anderer und die richtige Reaktion darauf (Empathie), die Fähigkeit zur Selbstmotivation und Motivation von Anderen und das weite Feld der Kreativität.  Der EQ ist neben dem PI, der Praktischen Intelligenz, und dem IQ, der rationalen Intelligenz, eine wesentliche Komponente der menschlichen Intelligenz (DR. ANDREAS SCHWARZKOPF, 2004).

 

 

 

Karin Kiesendahl - Tiergestützte Pädagogik/Therapie- Fondation Letzebuerger Kannerduerf , April 2008

Drucken | PDF | Senden